Abfallsammelhof geht kaum vor 2030 in Betrieb

24. Februar 2026 - Thuner Tagblatt, Gabriel Berger

Projekt im Thuner Lerchenfeld Die Stadt Thun saniert demnächst die Zufahrtsstrasse zum geplanten Abfallsammelhof im Lerchenfeld. Bis die Avag die Anlage realisiert haben wird, werden noch Jahre vergehen.

 

«Das Bedürfnis nach einer neuen Lösung ist weiterhin gross und zwischenzeitlich eher noch gestiegen», sagt Mudest Arpagaus, Geschäftsleitungsmitglied bei der Avag Umwelt AG. Die Rede ist vom geplanten neuen Abfallsammelhof, den die Avag auf der Fläche zwischen dem Fussballfeld des FC Lerchenfeld, der Allmendstrasse und der Autobahn A6 im Thuner Lerchenfeldquartier realisieren will.

 

Zuletzt war es sehr ruhig um das Vorhaben. Ganz anders verhielt es sich vor bald fünf Jahren: Ein Komitee aus Anwohnerinnen und Anwohnern hatte die Thuner Zonenplaninitiative lanciert. Indem die fragliche Parzelle in die benachbarte Zone für Sport- und Freizeitanlagen integriert worden wäre, sollte der Bau des Abfallsammelhofs verhindert werden. Im Juni 2021 wurde die Initiative indes von 66 Prozent der Thuner Stimmberechtigten abgelehnt.

 

Im Abstimmungskampf hatten die Initiativgegner betont, dass der Bedarf für eine neue, grössere Anlage ausgewiesen sei. So stieg etwa die Frequenz im aktuellen Sammelhof an der Militärstrasse innert 16 Jahren von 25’000 auf 76’000 Kundinnen und Kunden pro Jahr. Die Stadt wies ausserdem im Abstimmungsbüchlein darauf hin, dass die Idee einer regionalen Lösung seit 2006 bestehe - und seit 2007 nach geeigneten Standorten gesucht werde.

 

Nun, die Standortfrage ist längst geklärt. Trotzdem wird es noch eine ganze Weile dauern, bis im Lerchenfeld Abfälle angeliefert werden. Kürzlich hat die Stadt ein Baugesuch für die Sanierung und den Ausbau der Flugplatzstrasse publizieren lassen. Dabei handelt es sich um die Zufahrt zur entsprechenden Parzelle.

 

Die Anpassung der Strasse ist eine zwingende Voraussetzung für die Realisierung des Abfallsammelhofs. Anwohnende und der Lerchenfeld-Leist hatten sich, noch vor der Abstimmung über die Zonenplaninitiative, gegen den Ausbau gewehrt - und von der kantonalen Baudirektion recht erhalten. In der Folge erliess der damalige Thuner Bauvorsteher Konrad Hädener eine Erschliessungsüberbauungsordnung (ÜO).

 

Ausbau der Strasse dauert ein Jahr

Weitere Jahre der Planung verstrichen. Erst als gegen diese ÜO keine Einsprachen eingingen und der Stadtrat im Sommer des Jahres 2024 einen Nachkredit für den Ausbau der Strasse bewilligte, konnte das aktuelle Projekt auf den Weg gebracht werden.

 

Wann geht es vor Ort also los? Gemäss Beat Baumann, Leiter des Thuner Tiefbauamts, rechnet die Stadt damit, dass das Beschaffungsverfahren für die Arbeiten im kommenden November beginnen kann. «Der Baustart ist im August 2027 vorgesehen», sagt Baumann. Der Ausbau und die Sanierung der Strasse, die etwa auch das Verlegen neuer Werkleitungen umfasst, werde dann rund ein Jahr dauern.

 

Sobald die Strasse fertiggestellt ist, gehört sie nicht länger der Armasuisse Immobilien, sondern geht ins Eigentum der Stadt über. Ins Bauprojekt involviert sind nebst der Stadt die Energie Thun AG, die Swisscom, der Flugplatzverein Thun, die Genossenschaft Sportanlagen Waldeck und die Pächterin der heutigen Landwirtschaftsfläche.

 

Servicegebühr sorgt für Entspannung

Noch ist das Baugesuch für die Anpassungen der Flugplatzstrasse hängig. «Sobald die Bewilligung dafür vorliegt, kann die Avag in einem nächsten Schritt das Baugesuch für den neuen Abfallsammelhof einreichen», hält Geschäftsleitungsmitglied Mudest Arpagaus fest.

 

Wann dies genau der Fall sein wird, will Arpagaus nicht mutmassen. «Angesichts der Historie des Projekts planen wir in Etappen ohne fixen Zeitplan», sagt er. Der Bau des Abfallsammelhofs an sich werde dereinst rund anderthalb Jahre dauern. Mit Blick auf die Strassensanierung bedeutet dies, dass die künftige Anlage der Avag kaum vor 2030 ihren Betrieb aufnehmen dürfte.

Die teils prekären Platzverhältnisse im heutigen Abfallsammelhof bleiben damit vorerst bestehen. Immerhin: «Seit der Einführung der Grundgebühr von 5 Franken hat sich die Zahl der Kundinnen und Kunden stabilisiert», sagt Rachel Neuenschwander, Leiterin Abfallwirtschaft bei der Stadt Thun. Die pauschale Servicegebühr wurde per 1. Januar 2021 eingeführt. «Die Leute kommen nun meist nicht mehr wegen jedem einzelnen Zeitungsbündel vorbei», hat Neuenschwander beobachtet.


Baugesuch Flugplatzstrasse öffentlich aufgelegt

27. Januar 2026 - Medienmitteilung Stadt Thun

Die Stadt Thun will die Flugplatzstrasse im Lerchenfeld sanieren und erweitern. Das entsprechende Baugesuch liegt nun auf.

Die Flugplatzstrasse im Lerchenfeld ist eine wichtige Verbindung von Thun nach Thierachern und erschliesst die Sportanlagen Waldeck, den Flugplatz, das Naherholungsgebiet Allmend sowie den von der AVAG geplanten regionalen Abfallsammelhof auf dem westlich angrenzenden Grundstück. Um die Verkehrssicherheit zu erhöhen und das breit genutzte Gebiet zu erschliessen, plant die Stadt Thun eine umfassende Sanierung und einen Ausbau der Strasse. Ergänzend zum ursprünglichen Kredit von 1'900'000 Franken aus dem Jahr 2018 bewilligte der Stadtrat im Juli 2024 einen Nachkredit von 530'000 Franken und beschloss die Überbauungsordnung (vgl. Medienmitteilung vom 14. Juni 2024). Die verfahrenstechnisch offenen Fragen wurden bereinigt, sodass das entsprechende Baugesuch nun öffentlich aufgelegt wird. 

 

Neue Trottoire, ausgeprägte Kurve und neue Beleuchtung

Das Bauprojekt sieht neben der Sanierung der bestehenden Fahrbahn einen neuen Strassenverlauf mit einer ausgeprägten S-Kurve, neue einseitige bzw. teilweise beidseitige Trottoire, einen neuen Strassenabschnitt zur Erschliessung des westlich angrenzenden Grundstückes sowie drei neue Versickerungsmulden für die Strassenentwässerung vor. Zudem wird die Flugplatzstrasse neu mit einer Beleuchtung ausgestattet; die Finanzierung übernimmt die Energie Thun AG.

 

Nächste Schritte

Nach Vorliegen der Baubewilligung starten die Arbeiten für die Ausführungsplanung. Die Stadt Thun rechnet damit, dass die Strassen- und Werkleitungsbauarbeiten für die Sanierung und den Ausbau der Flugplatzstrasse im Sommer 2027 aufgenommen werden können.


Download
Nachkredit und Überbauungsordnung Flugplatzstrasse: Stadtratsdebatte vom 4. Juli 2024
2024_06_14_Nachkredit_und_UeO_Flugplatzs
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