Thuner Tagblatt vom 26. März 2024 / Andreas Tschopp
Die Versammlung spricht sich dafür aus, dass das ganze Quartier zur Tempo-30-Zone wird. Die STI hat aber Einwände.
Das Lerchenfeld, das für den automobilen Verkehr nur auf zwei Achsen von der Waldeck-Kreuzung und über die Uttigenstrasse ab Uetendorf Allmend erreichbar ist, sei «geradezu prädestiniert für eine Tempo-30-Zone». So fasst Präsident Roland Götz den Tenor der Leistversammlung zusammen, die am Wochenende darüber zu befinden hatte, ob eine solche Tempo-30-Zone im ganzen Quartier eingeführt werden soll.
Nach Auskunft von Götz sprachen sich die versammelten Leistmitglieder «praktisch einstimmig» dafür aus. In der Diskussion sei es durchwegs positiv beurteilt worden, dass die Tempobeschränkung künftig überall gelten soll.
Denn bislang ist Tempo 30 im Lerchenfeld nur auf den Hauptachsen (Lerchenfeld-, Lange- und Uttigenstrasse bis zum Schlachthof) streckenmässig mit zahlreichen Tafeln signalisiert. Auf den anderen, teils sehr schmalen und unübersichtlichen Quartierstrasse sind dagegen noch bis 50 Kilometer pro Stunde erlaubt.
Planung wurde 2013 gestoppt
Das soll sich nun aber bald ändern. Nach dem positiven Votum der Versammlung wird der Lerchenfeldleist laut seinem Präsidenten bei der Stadt Thun darum ersuchen, die Planung zum Erlass der Tempo-30-Zone fortzuführen.
Die Arbeiten wurden 2013 gestoppt, weil sich die Leistversammlung damals mehrheitlich dagegen aussprach. Nachdem sich ein Privater weiterhin engagierte und auch direkt bei der Stadt dafür einsetzte, nahm der Vorstand das Thema wieder auf und legte es nach mehrmaligem Aufschub erneut zum Entscheid vor.
Entscheidung liegt bei Bau und Liegenschaften
Bei der Stadt Thun zeigt sich Beat Baumann, Leiter Tiefbauamt und Stadtingenieur, «bereit, die Umsetzung dieses Anliegens zu planen und zum Beschluss zu unterbreiten», wie er auf Anfrage schreibt. Der Entscheid zur Einführung einer Tempo-30-Zone im Lerchenfeld liege schlussendlich jedoch beim Direktionsvorsteher Bau und Liegenschaften, erklärt Baumann.
«Eine Tempo-30-Zone mit Rechtsvortritt erschwert den Busbetrieb nicht unerheblich», hält die STI fest. Diese brachte einst grundlegende Vorbehalte fürs Lerchenfeld mit seinen zahlreichen Quartierstrassen, die auf die Busstrecke einmünden, dagegen vor.
Ein Ja mit einem Aber von der STI
Nach den Erfahrungen mit der Schulstrasse könne die STI einer Tempo-30-Beschränkung nun aber «innerstädtisch zustimmen», heisst es. Als Voraussetzung nennt der Busbetrieb dafür, dass im Lerchenfeld auch sogenannte «Trottoir-Überfahrten» eingeplant werden, welche die Situation des Rechtsvortritts zugunsten der Busse klären würden.
An der für die Quartierbewohner des Lerchenfeld wichtigen Kreuzung des Bypasses mit der Allmendstrasse ist seit Oktober 2023 eine neue Signalisation angebracht. Hier ist es für Velofahrende erlaubt sein, bei Rot rechts abzubiegen. Diese Gültigkeit ist in allen 4 Abbiegevarianten vorhanden. Fussgängerinnen und Fussgänger haben aber weiterhin Vortritt. In der Stadt Thun dürfen – bei entsprechender Signalisation – Velofahrende neu bei Rot rechts abbiegen. Seit vergangenem Oktober sind die ersten Kreuzungen entsprechend neu beschildert. Die Optimierung der Kreuzung Bypass – Allmendstrasse für den Veloverkehr geschah in enger Zusammenarbeit mit Kanton und Stadt Thun. Kanton und Stadt erhoffen sich dadurch einen zusätzlichen Impuls für den Veloverkehr. (29.10.2023)
Nach 1,5 Jahren Betrieb erfolgte im Sommer 2023 während 30 Tagen eine Verkehrszählung an der Uttigenstrasse auf Höhe der Poller. Die Verkehrserhebung ergab kurz zusammengefasst folgende Resultate: Im Durchschnitt benutzen täglich rund 900 Zweiräder die Uttigenstrasse. Davon sind gut 90 % Velos, E-Bikes und Mofas. Knapp 10 % wurden vom Messgerät der Kategorie „Motorräder“ zugeordnet. Die erhobenen Velo-Zahlen sind für Thuner Verhältnisse erheblich und vergleichbar mit anderen wichtigen Thuner Veloachsen wie der Allmendstrasse oder der Länggasse. Der prozentuale Anteil des Motorradverkehrs von knapp 10 % ist mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen, da das eingesetzte Messgerät Motorräder und schnelle E-Bikes nicht trennscharf unterscheiden kann. Der Motorfahrzeugverkehr (exkl. Zweiräder) ist bedingt durch die Polleranlage nahezu unbedeutend. Im Erhebungszeitraum fuhren pro Tag durchschnittlich 36 Motorfahrzeuge (PW und LKW) durch die Polleranlage hindurch.
Nach einem Jahr Betrieb wird die Bypass Kreuzung durch Velofahrende auf diverse Arten befahren.
Die gesamten Hinweise finden Sie im PDD.
Beispiel:
Richtig ist A: Vom Lerchenfeld Richtung Stadt, Halt in der Bucht für die Rechtsabbieger Richtung General-Wille Str. Beachtet wird die Verkehrsampel.
Falsch ist B: Vom Lerchenfeld Richtung Stadt, Halt an der vorderen Markierung. Beachtet wird die Veloampel
Grund: Bei Variante B wird folgende Verkehrsregel verletzt: «Missachtung eines Rotlichts».